7 Wege wie Sie Ihr Ordnungsamt mit Geodaten und Cloud-GIS fit machen können

Aktualisiert: Aug 27

Die Aufgaben eines Ordnungsamtes innerhalb einer Gemeinde sind vielschichtig.


Ordnungsämter kümmern sich um um das Einwohnermeldewesen, überwachen den Lärmschutz, den Tierschutz, das Waffenwesen und sind zusammen mit der Polizei für die Gefahrenabwehr zuständig. Dafür kümmert es sich u.a. um Falschparker, Ruhestörungen und illegales Müllabladen. Die genauen Aufgaben unterscheiden sich aber je nach Bundesland und gehen oft weit über die oben genannten Tätigkeiten hinaus.



Raumbezug im Ordnungsamt


Wenn man nun etwas genauer hinschaut, haben eigentlich alle diese Themen einen Raumbezug. Daraus müsste sich eigentlich konsequenterweise eine verstärkte Nutzung von Geodaten und der Einsatz von Geoinformationssystemen (GIS) als integraler Bestandteil bei der Bearbeitung der entsprechenden Aufgaben ableiten lassen. Nicht zuletzt deshalb weil diese Instrumente mit großen Vorteilen verbunden sind. Dies ist aber in der Praxis noch eher selten der Fall.



Warum ist das so? Einer der Gründe ist sicherlich der Umstand, dass viele der erzeugten Daten heute noch überwiegend alphanumerisch erfasst werden. Selbst wenn Adressen vorhanden sind, werden diese häufig nicht geocodiert - also in Koordinaten umgewandelt -

geschweige denn gemeinsam mit anderen Daten in einer Karte dargestellt und ausgewertet.


So wird zum Beispiel eine illegale Müllablagerung wie folgt lokalisiert:


"Müllablagerung am Waldweg abgehend vom Wanderparkplatz 'Reute' in Richtung Hallschlag direkt hinter der Schutzhütte".


Natürlich lässt sich mit dieser Information der Ort der Müllablagerung wieder auffinden, aber mit einem Navigationssystem kommt man damit sicher nicht weit. Auch lässt sich kein Zusammenhang darstellen, ob es ähnliche Vergehen bereits in der näheren Umgebung gegeben hat.


Zusammengefasst lässt die gegebene Information nur eine sehr limitierte räumliche Auswertung zu. Ergänzende Auswertungen zu zeitlicher Natur, also z.B. wann gab es Vergehen in einem bestimmten Zeitraum oder quantitative Auswertungen wie die Häufigkeit der Vergehen sind manchmal ebenso schwierig, da nicht immer alle Informationen in ein und derselben Datenbank gehalten werden können oder im schlimmsten Fall gar nicht digital verfügbar sind.


Hier können cloud-basierte Geoinformationssysteme eine wertvolle Hilfe sein. Da Cloud-Services von überall aus verfügbar sind, erlauben sie das direkte Erfassen aller benötigten Informationen sowohl im Büro als auch in der Örtlichkeit. Das Übertragen von Daten entfällt in diesem Fall komplett.


Ein Cloud-GIS kann auch Daten direkt über das Internet aus unterschiedlichen Quellen ziehen, so das Daten immer in hoher Aktualität verfügbar sind. Somit lassen sich mit solchen Diensten aufwändige Im- und Exportarbeiten vermeiden.


Man muss hierbei fairerweise sagen, dass hier datenschutzrechtliche Belange große Hürden darstellen können. Gleichzeitig werden aber die softwaretechnischen Möglichkeiten z.B. bei der Verwendung von Authentifizierungsverfahren oder hinsichtlich der Datensicherheit mit großer Geschwindigkeit weiterentwickelt.


Mit der Verfügbarkeit neuer, innovativer Cloud GIS-Systeme ist es also an der Zeit darüber nachzudenken, für welche Aufgaben diese innerhalb eines Ordnungsamtes

effizienzbringend eingesetzt werden können.



1. Liegenschaftskataster

Für das Ordnungsamt ist zum Beispiel wichtig, wer der oder die Eigentümer eines Flurstücks sind, um flurstücksbezogene Ordnungswidrigkeiten weiterverfolgen zu können. Das können Umweltverschmutzungen, illegale Bauten, Verstöße gegen das Ortsrecht und vieles mehr sein.


Flurstücke und Angaben zu deren Eigentümern sind feste Bestandteile des Liegenschafts-katasters (Lika). Jedes kommunale Geoinformationssystem enthält diesen Datenbestand,

der in der Regel periodisch von den jeweiligen Landesämtern für Geoinformation bereit-gestellt wird und dann im Anschluss importiert werden muss.



Bildgrundlage: Daten aus dem Umweltinformationssystem (UIS) der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg







Es ist hier zu erwarten, dass sich das Angebot an Diensten zur direkten Anbindung an GIS-Systeme weiter ausdehnen wird. Momentan stehen sogenannte ALKIS-Dienste mit den Daten des Lika vielerorts schon zur Verfügung, allerdings sind personenbezogene Daten, wie z. B. Angaben zu Eigentümern und Erbbauberechtigten, noch keine Bestandteile dieser Dienste.


Moderne Cloud GIS-Systeme können diese Dienste aufnehmen und ihren Nutzern über intuitive Oberflächen zur Verfügung stellen. Flurstücks- oder Eigentümersuchen sollten einfach auszuführen sein. Wiederholt auszuführende Abfragen sollte man problemlos speichern und wieder aufrufen können.



2. Einwohnermeldewesen

Das Liegenschaftskataster enthält keine Angaben zu Bewohnern. Um diese herauszufinden muss das Ordnungsamt bei seiner Arbeit auf das Einwohnermeldewesen zurückgreifen.


Als Meldebehörde erfasst und speichert das Einwohnermeldeamt alle personenbezogenen Daten im amtlichen Melderegister. Personendaten sind neben dem vollständigen Namen zum Beispiel auch die aktuelle Anschrift, das Geburtsdatum oder der Familienstand, aber auch Angaben zu Religionszugehörigkeit, Staatsbürgerschaft oder Waffenscheinen.


Eine direkte Anbindung des Einwohnermeldewesens an ein GIS-System ist aus daten-schutzrechtlichen Gründen problematisch. Das gleiche gilt übrigens auch für das elektronische Grundbuch.


Allerdings ist es möglich, beim Rechenzentrum einen Export der Einwohnermeldedaten in Tabellenform abzurufen. Dieser Export lässt sich dann in ein Cloud GIS-System integrieren, indem man die enthaltenen Adressdaten geocodiert. Durch die Geocodierung wird jeder Adresse eine Koordinate auf der Erdoberfläche zugeordnet, die dann als Punkt in der Karte eines Cloud-GIS dargestellt werden kann.


Da eine Einzeldarstellung als Punkt aber datenschutzrechtlich sehr sensitiv ist und daher nicht erlaubt ist, werden mehrere Adresspunkte innerhalb vorab definierter Baublöcke oder anderer geeigneter kleinräumiger Statistikeinheiten aggregiert.

Damit lassen sich dann im GIS räumliche Auswertungen erzeugen, wie z.B.


- Baublöcke mit prozentualen Angaben von Altersgruppen

- Zusammenhänge zwischen Spielplätzen und Anzahl Kinder

- Zusammenhänge zwischen Wahllokalen und der Anzahl Wahlberechtigter

- Überlagerung der Daten mit Schulbezirken



Für das Ordnungsamt können diese Informationen genutzt werden, um etwaige räumliche Zusammenhänge zwischen der Bevölkerungsstruktur und einer Unfallstatistik

herzustellen. Sind die Schulwege optimal und sicher geplant? Gibt es ausreichend Überquerungsmöglichkeiten von Straßen in Ortsteilen mit überwiegend älteren Einwohnern?



3. Unfallstatistik

Die Sicherheit des Straßen- und Verkehrsraumes und die Gefahrenabwehr im Straßenverkehr haben einen hohen Stellenwert innerhalb des Ordnungsamtes.

Es ist deshalb wichtig, eine aktuelle Übersicht zu Unfallereignissen zu führen. Diese werden sinnvollerweise in verschiedene Kategorien unterteilt.


Um Unfälle korrekt auswerten zu können ist es genauso wichtig zu wissen wo genau sich ein Unfall ereignet hat wie festzustellen, ob die Unfallbeteiligten Autofahrer,

Motorradfahrer, Radfahrer oder Fußgänger waren. Diejenigen unter uns, die schon ein paar Dienstjahre mehr auf dem Buckel haben, erinnern sich sicher noch an den an der Wand aufgehängten Ortsplan mit bunten Stecknadeln.



Falls bei Ihnen noch ein solcher Plan an der Wand hängt, sollten Sie diese Informationen schnell in ein Cloud GIS übertragen und dort auch weiterführen.

Es braucht wirklich nur wenige Minuten, um in einem guten Cloud