Digitalisierungsstrategie Geodaten

Aktualisiert: Nov 17

Der Begriff der Digitalisierung ist derzeit in aller Munde und ist momentan in fast allen Wirtschafts- und Verwaltungsbereichen ein Thema. Allerdings hapert es vieler Orten noch an der Umsetzung. Umfragen des Hasso Blattner-Instituts zeigen beispielsweise, dass der überwiegende Teil des Mittelstandes noch keine Digitalisierungsstrategie entwickelt hat, geschweige denn schon an der Umsetzung arbeitet.


Es besteht also ein dringender Nachholbedarf, wenn einzelne Unternehmen aber auch unser Land als Ganzes wettbewerbsfähig bleiben wollen. Unseren Verwaltungen fällt dabei die wichtige Aufgabe anheim, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen und dadurch gleichzeitig auch als Vorbild für die Digitalisierung zu fungieren.


Der Aufbau von Smart Cities und die damit verbundene Schaffung von idealen ökonomischen und ökologischen Lebensräumen für unsere Wirtschaft und unsere Bevölkerung ist dabei das Kernthema zur Schaffung von Wettbewerbs- und Standortvorteilen. Dies wiederum ist Voraussetzung für noch mehr Innovationen und zur Generierung von Steuereinnahmen.


Ein erster Ansatz wäre, mit neuen Methoden und Techniken bestehende Arbeitsabläufe schneller abzubilden oder diese durch völlig neue, bessere Prozesse zu ersetzen.


Damit dies erfolgreich gelingen kann, ist es sinnvoll sich mit einer guten Digitalisierungsstrategie darauf vorzubereiten und diese dann auch während der Umsetzung regelmäßig und agil an das Gelernte anzupassen.



Was ist eine Digitalisierungsstrategie

Eine Digitalisierungsstrategie beantwortet die Frage, wie aktuelle Verwaltungsabläufe in digitale Verwaltungsabläufe überführt werden können. Das Ziel ist es, eine höhere Zufriedenheit beim Bürger und eine insgesamt effektivere Verwaltung zu ermöglichen.




Dafür sollten alle Abläufe innerhalb einer Verwaltung und alle Arbeitsbereiche und Ämter auf den möglichen Einsatz neuer, disruptiver Technologie wie Cloud Computing, künstliche Intelligenz, Internet of Things (IoT) oder Virtual Reality hin überprüft werden.


Im Ergebnis entsteht eine Verwaltung mit weitgehend oder komplett digital und vollautomatisch unterstützten Abläufen.


Ohne eine Digitalisierungsstrategie werden Vorhaben wie z.B. der Wandel hin zu Smart Cities nicht zu realisieren sein.



Wir sind doch schon digital!

Wieso also eine Digitalisierungsstrategie?

Gelegentlich wird bei dem Stichwort Digitalisierung noch darauf verwiesen, dass man ja schon überall entsprechende Software einsetzt. Weshalb also nun eine Digitalisierungsstrategie?


In diesem Zusammenhang ist es essentiell zu verstehen, dass die Verwendung einer Software an einer bestimmten Stelle und nur als Teil eines ganzen Prozesses bei weitem nicht den Vorstellungen und Visionen einer Digitalisierung 4.0 entspricht.



Wie schon erwähnt. Das Ziel ist es, weitgehend oder komplett digital und vollautomatisch unterstützte Abläufe zu schaffen. Dies bedingt die Digitalisierung aller Teilaufgaben - nicht nur die Digitalisierung eines Teilbereiches. Zudem entwickelt sich Software selbst extrem schnell weiter und ihre Erstellung wird mittlerweile aus diesem Grund auch als agiles Dauerprojekt verstanden, welches ständig hinterfragt und anschließend verbessert wird.


Wer deshalb noch mit Software arbeitet, die einmal im Jahr einen Update erfährt muss schnell umdenken. Sehr wahrscheinlich ist da ein Produkt im Einsatz, dass sich nicht mehr an die schnellen technologischen Weiterentwicklungen anpassen kann und deshalb direkt aufs Abstellgleis führt. Gerade hier ist eine Digitalisierungsstrategie hilfreich, um solche tickenden Zeitbomben zu identifizieren und neue Auswege und Lösungen zu finden.




Welche Rolle spielen Geodaten bei der Digitalisierungsstrategie

Geodaten liefern die räumlichen Komponenten innerhalb von Entscheidungsprozessen. Ihr Hauptmerkmal ist zwar das "Wo", aber häufig wird dieses Wo um die Attribute "wieviel", "was", "weshalb", "wer" und "wann" erweitert.


Nehmen wir als Beispiel eine Straßenlaterne:


Geodaten liefern uns den genauen Standort dieser Laterne über ein Koordinatenpaar (wo).

Wir können in einer Geo-Datenbank aber auch abfragen, wie viele Straßenlaternen es insgesamt in einer Stadt gibt (wieviel).


Existiert eine Anwendung zur Erfassung und Pflege der Straßenlaternen, dann lassen sich aus einer solchen Anwendungsdatenbank auch Angaben zum Laternen- und Beleuchtungstyp herausfiltern (was).



Fällt nun ein solches Leuchtmittel aus und muss ersetzt werden (weshalb), kann ein Elektriker über ein Asset Management benachrichtigt werden (wer), welcher den Wartungsarbeiten dann eine bestimmtes Zeitfenster in seinem Kalender zuordnet und dieses entsprechend der Verwaltung zurück kommuniziert (wann).


Sobald sich der Elektriker dann auf den Weg macht, nutzt er die Standortangaben um die defekte Straßenlaterne zu finden. Die Angaben zum ausgefallenen Leuchtmittel helfen ihm dabei die richtigen Teile auszutauschen.


Man kann anhand dieses Beispiels leicht erkennen, dass Geodaten und die damit verbundenen Anwendungen dabei helfen, eine ganze Reihe von Fragen im alltäglichen Betrieb von Assets (Infrastrukturvermögen) zu beantworten. Und da fast alles, was von einer Gemeinde verwaltet wird, auch einen Raumbezug hat ist es nahezu eine Verpflichtung, dass Geodaten im Zuge einer Digitalisierungsstrategie ein breites Feld eingeräumt werden muss.


Schauen wir nochmal zurück auf unsere Straßenlaternen.

In einer Digitalisierungsstrategie könnte folgendes Ziel festgelegt sein:


  • In Zukunft sind Laternen mit dem Internet verbunden.

  • Geht ein Leuchtmittel kaputt, kommuniziert die Laterne den Defekt automatisch an ein Asset Management System und es wird ein Arbeitsauftrag angelegt.

  • Das Asset Management System kommuniziert diesen Auftrag zusammen mit den Angaben zu den Leuchtmitteln wiederum automatisch an den zuständigen Elektriker.

  • Der Elektriker prüft, ob er entsprechende Leuchtmittel am Lager hat und legt im Asset Management einen Termin für die Reparatur fest. Eventuell schlägt ihm das System eine Routenoptimierung zur Erledigung mehrerer Aufträge am selben Tag vor.

  • Ein Wartungsteam navigiert mit Hilfe des Arbeitsauftrags zum Leuchtmittel und es wird ausgetauscht.

  • Die zuständige Stelle in der Verwaltung wird im Asset Management über die einzelnen Schritte informiert. Auf Wunsch können automatische Budgetwarnungen mit Freigabemechanismen eingearbeitet werden.



Im Ergebnis kann der Austausch eines Leuchtmittels bis auf die Wartungsarbeit selbst komplett digital organisiert werden. Es muss kein Defekt gemeldet und kein Elektriker informiert werden. Es müssen keine Karten zur Navigation ausgedruckt und auch keine Emails hin und her geschickt werden. Alles geht weitgehend automatisch.


Das Leuchtmittel wird somit schneller ausgetauscht und eventuelle Bürgerbeschwerden werden somit früher bereinigt. Da die komplette Kommunikation über ein Asset Management System abgewickelt wird, werden weniger Personalressourcen benötigt und der Auftrag insgesamt schneller abgewickelt. Dadurch, dass intelligente Software auch Optimierungs- und Überwachungsaufgaben wahrnehmen kann, besteht hier weiteres Entlastungspotential.



6 Arbeitsschritte einer erfolgreichen Digitalisierungsstrategie

Wie setzt man nun eine Digitalisierungsstrategie unter Berücksichtigung der Geodaten erfolgreich um? Nachfolgend sind 6 Arbeitsfelder aufgeführt, die Sie auf jeden Fall berücksichtigen sollten:


1. Digitalisierung ist Chefsache - Legen Sie Verantwortlichkeiten fest